Hier gerne ein Hinweis zum Podcast mit meiner Person:
https://simplyprojects.ch/projekt-gesundheitswesen-bueromaterial/
Die Spitallogistik versteht sich als eine spezielle Ausprägung der Logistik. Mit dem Begriff „Logistik" werden dabei sämtliche Anforderungs-, Beschaffungs -, Transport-, Lager-, Umschlags- und Entsorgungsvorgänge von Waren zusammengefasst - auch im Spital.
Im Bewusstsein einiger spielt die Logistik, trotz Einfluss auf Patientenzufriedenheit und Kosteneffizienz jedoch noch immer eine weniger wichtige Rolle. Dies ändert sich glücklicherweise infolge des wachsenden Optimierungsdrucks auf Spitäler kontinuierlich und Spitäler rücken ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf Support-Prozesse und sind bestrebt in der Optimierung interner und externer Logistikprozesse. Vieler logistischer Innovationen der letzten Jahrzehnte bedient sich die Gesundheitsbranche aus Unternehmen der Bereiche Industrie und Handel. Warum auch immer das Rad neu erfinden wollen!?
Unter Berücksichtigung ökonomischer Bewertungsmassstäbe in der Ausgestlatung von Materialströmen ist aus Gründen der Ressourcenverknappung und Nachhaltigkeit (u.a.) mehr und mehr der effiziente Umgang mit eingesetzten Ressourcen gefragt, um spitalspezifische Effizienzsteigerungspotenziale zu erkennen und auszuschöpfen.
Habt ihr euch schon mal folgende Fragen gestellt und ehrlich beantwortet:
❓Welche unterschiedlichen Versorgungsmodelle für Medizinprodukte werden in der Literatur neben dem Umgesetzen Versorgungsmodell beschrieben?
❓Wie hoch ist die Zufriedenheit mit eurem jeweils umgesetzten Versorgungsmodell für alle Prozessbeteiligten?
❓ Welche (ergänzenden) Massnahmen zum jeweils umgesetzten Versorgungsmodell könnten noch in Frage kommen?
Das Anhängsel vom OP, das Kellerkind des Spitals … kennen sie weitere gebräuchliche Bezeichnungen für die Sterilgutaufbereitung?
Mir vielen noch viel mehr Bezeichnungen ein als vor einigen Jahren kurz vor Weihnachten der Sterilisator aus Altersschwäche den Geist aufgab. Was nun? Wie soll ich so den OP- Betrieb aufrechterhalten? Wer kann und will mir helfen? Wer hat die Kapazitäten und Qualifikationen mir kurzfristig das Sterilgut aufzubereiten?
Nach einigen Telefonaten und Ideen später fand sich eine Feiertagslösung … aber wie bitte weiter? Reparatur, neue Infrastruktur beschaffen oder die Chance nutzen abzustossen?
«Müssen wir uns jetzt wirklich von anderen abhängig machen?», «Lohnt sich das den am Ende wirklich?», «Das dauert doch dann alles noch viel länger und wir müssen Operationen verschieben…» … altbekannte und wiederkehrende Vorurteile fanden sich schnell im Teamumlauf!
Da wir keine wirkliche Wahl hatten, galt es nun also erstmal trotzdem erstmal ins kalte Wasser zu springen und zu schwimmen – wo immer uns dieser Strom auch hintreibt, wir müssen schwimmen! Ein Stillstand der Operationsabteilung stand nicht zur Debatte und auch ausser Frage.
Diese Schwimmlektion hat dann bei genauerer Betrachtung schnell die relevanten Kostenfaktoren mit grossem regelmässigem Investitionsbedarf für die Inhouse- Sterilisation aufgezeigt. Auch die regelmässigen Betriebskosten oder der Wert und das Potential freiwerdender Flächen rückte in der objektiven Betrachtung mehr und mehr in den Vordergrund. Jedoch… die Skepsis blieb, spaltete und verunsicherte bis zur ersten Wiederkehr von «Messer, Schere, Licht» von «draussen»! Aber mit allen Kräften und erstklassigem zeitintensivem Projektmanagement wurde es im zweiten Schritt zu einer effizienten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Lösung. Vorallem unter den Gesichtspunkten Betrieb, Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit konnte so die bestmögliche hausspezifische und zukunftsfähige Lösung gefunden werden, denn ein Patentrezept gibt es nicht!
Wollen sie bis zur letzten Sekunde warten oder die Gelegenheit nutzen? Was halten sie vom Outsourcing – Chance oder Sackgasse?
Nicht erst durch COVID-19 haben wir erkannt, dass eine effiziente Logistik ein unverzichtbarer Bestandteil eines gut funktionierenden Gesundheitssystems ist. Sowohl in der externen Belieferung durch den Lieferanten als auch in der internen Kommissionierung auf die Bereiche. Die Arbeitswelt von heute als auch morgen fordert im Zeitalter der Digitalisierung auch in diesem Sektor mehr und mehr neue Skills. Neben dem Vermögen mit immer mehr Technik und Software umgehen zu können, reihen sich hier auch mehr und mehr die Fähigkeiten und Kreativität komplexe Probleme lösen zu können, ein.
In einem vergangenen Austausch ging es genau um diesen "Skill Gap" zwischen den vorhandenen Kompetenzen der Belegschaft und den Anforderungen der Zukunft. Der Handlungsbedarf wäre eigentlich klar gegeben und erkannt aber wer weiss eigentlich tatsächlich detailliert, welche Kompetenzen dem Unternehmen und seiner Belegschaft genau fehlt? Wisst ihr es?
Einerseits kann Inhouse dafür gesorgt werden, dass die Belegschaft regelmässig durch Fortbildungen profitiert und somit seine Fähigkeiten in der Krankenhauslogistik erweitert. Doch braucht es hier vielleicht sogar eine fachspezifische Ausbildung zum Krankenhauslogistiker oder sogar höhere Abschlüsse?
Oder sollte der Fokus einer Gesundheitseinrichtung eher auf dem Outsourcing von Logistik- und Lagertätigkeiten zu kundigen und effizienteren Industrieanbietern liegen? Schliesslich gibt es hier bereits strategische und operative Partnerschaften mit externen Logistikunternehmen, welche ihr "allgemeines" Logistikwissen sowie Ressourcen effektiv nutzen. Besteht vielleicht sogar hier der Bedarf nach fachspezifischen Ausbildungen zum Krankenhauslogistiker?
Bei der Gesundheitslogistik denken die meisten wahrscheinlich als erstes an die Bewegung von Spritzen, Kanülen, Pflastern oder sonstigen medizinischen Verbrauchsmaterialien von einem Zentrallager des Spitals zur Pflegekraft ans Bett...
Doch Gesundheitslogistik ist noch viel mehr! Beispielsweise, der Weg vom schmutzigem Instrumentarium einer OP zur AEMP und wieder zurück.
❓ Wo wird gesammelt?
❓ Wie wird transportiert?
❓ Wer transportiert wann und wie oft?
❓ Alle Regulatorien eingehalten?
❓ Genügend Platz und Personal vorhanden?
❓ Sind genügend Instrumentarien bis zum nächsten Eingriff in Reserve?
Auch hier gibt es Möglichkeiten und Potential bei der Erzielung von Skaleneffekten, Nachhaltigkeit und Ressourceneinsparungen, Bestandsmanagement, Datenanalyse und KI-gestützter Optimierungen!
Leider wird diesem so wichtigen Bereich im Spital oftmals viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt!
Ist nicht der OP der Motor eines jeden Spitals und dessen effiziente und wirtschaftliche Planung und Betreibung unabdingbar? Hochmoderne OP- Säle, hochqualifiziertes und engagiertes Personal, immer wieder neueste OP- Methoden und passende Systeme der Industrie ... aber wer bitte kann mir den Preis einer Sterilisationseinheit hausspezifisch datenbasiert nennen? Schade, werden hier oftmals die Möglichkeiten nicht erkannt oder unterschätzt!
In der Gesundheitslogistik gibt es unterschiedliche Versorgungsmodelle für Medizinprodukte:
💡 Bei der direkten Versorgung werden die Gesundheitseinrichtungen direkt vom Hersteller oder Lieferanten direkt mit Medizinprodukte beliefert. Auch die Bestellung und Beschaffung der Medizinprodukte erfolgt direkt.
💡In einem weiteren Modell werden Medizinprodukte von Großhändlern in grossen Mengen gekauft und dann an verschiedene Gesundheitseinrichtungen verteilt.
💡Bei der Konsignationsversorgung werden Medizinprodukte ebenfalls vom Hersteller oder Lieferanten direkt an eine Gesundheitseinrichtung geliefert und vor Ort gelagert. Jedoch bezahlt die Einrichtung erst für die Produkte, wenn sie verwendet oder verbraucht werden. Der Lagerbestand wird damit idealerweise optimiert und das finanzielle Risiko reduziert.
💡Bei der zentralisierten Beschaffung wird im Auftrag mehrerer Gesundheitseinrichtungen zentral beschafft, um Skaleneffekte zu nutzen, Kosten zu senken und eine einheitliche Versorgung sicherzustellen.
💡In einigen Fällen kann die Verantwortung für die Bestellung, Lagerung und Lieferung der Medizinprodukte auch komplett an externe Dienstleister auslagert werden.
Die Art der Medizinprodukte, die Bedürfnisse der Gesundheitseinrichtungen, die Verfügbarkeit von Ressourcen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der Region spielen einen wesentlichen Faktor beim passenden Mix!
Welcher ist euer passender Mix?