Hier gerne ein Hinweis zu Podcast mit meiner Person:

https://simplyprojects.ch/steri_sermax/

Pflegewissenschaftliche Erkenntnisse dienen der Verbreitung in der Praxis. Dazu müssen diese Evaluationen verständlich übersetzt werden und in Handlungen und Prozesse transferiert werden. In der gängigen Pflege am Bett übernehmen dies Pflegeexperten.

 

Aber wer übernimmt diese Aufgabe im Fachbereich der OP- Pflege? Wer transferiert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die OP- Praxis? Existiert in der Pflegewissenschaft überhaupt ein Bewusstsein für die Pflege im OP?

 

Ich glaube, dass gerade diesem kostenintensiven und hoch interdisziplinären Bereich mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit durch die Pflegewissenschaft geschenkt und die Etablierung von OP- Pflegerelevanten Leistungskennzahlen definiert werden sollte:

 

🔎 Patientensicherheit

Dies könnte die Anzahl der intraoperativen Komplikationen oder unerwünschten Ereignisse spezifisch durch OP- Pflegende pro Anzahl der durchgeführten Operationen umfassen.

 

🔎 Sterilität und Infektionsprävention

Dies umfasst die Einhaltung von Sterilitätsrichtlinien im OP, die korrekte Handhabung von Instrumenten und Materialien sowie die Vermeidung von Kreuzkontaminationen.

 

🔎 Patientenzufriedenheit

Hier könnte die Zufriedenheit der Patienten mit der Pflege im OP gemessen werden, entweder durch Umfragen oder Rückmeldungen.

 

🔎 Effizienzen

Die Dauer der OP-Vorbereitung, des Eingriffs und des Aufräumens könnte gemessen werden, um die Effizienz des Teams zu bewerten.

 

🔎 Einhaltung von Standards und Richtlinien

Die Einhaltung von OP-spezifischen Richtlinien und Protokollen zur Pflege und Sicherheit kann als Maß für die Pflegequalität dienen.

 

🔎 Kommunikation und Teamwork

Die Qualität der Kommunikation und des Teamworks im OP-Team könnten durch Bewertungen oder Umfragen der Teammitglieder gemessen werden.

 

🔎 Weiterbildung und Kompetenz

Die Teilnahme an Fortbildungen, Zertifizierungen und die Entwicklung neuer Kompetenzen könnten als Indikatoren für die Professionalität und das Engagement der Pflegekräfte dienen.

 

🔎 Arbeitsbelastungen und Personalressourcen

Die Messung der Arbeitsbelastung und des Pflegepersonals im OP könnte dazu beitragen, angemessene Personalressourcen sicherzustellen und Überlastungen zu vermeiden.

 

Diese Leistungskennzahlen könnten die Qualität der Pflege im OP bewerten, den Verbesserungsbedarf identifizieren und die Patientenversorgung optimieren. Habt ihr spezielle Pflegeexperten für den OP?

Jetzt mal Hand aufs Herz - wer entscheidet bei euch, welche Instrumente in das Sieb kommen: die Ärzte oder das OP- Pflegepersonal?

 

Immer wieder stosse ich in Spitälern auf die Sichtweise, dass bei Siebänderungen ohne den entscheidenden Segen der Ärzteschaft bei der Anpassung von Siebinhalten nix geht. Ich verweigere mich in keinem Fall der Einbeziehung medizinischen Fachwissens und Erfahrungen aber die letztendliche Entscheidung sehe ich doch beim OP- Fachpersonal, weil:

 

🔎 hier alle Möglichkeiten der Siebeinsätze in Wissen und Praxis zusammenlaufen.

 

🔎das OP- Fachpersonal die individuellen Bedürfnisse der Ärzteschaft in seiner Gesamtheit am besten kennt und daher Instrumenten- Kombinationen abschätzen kann, soll und muss

 

🔎sich das OP- Fachpersonal im Rahmen der Ausbildung und interdisziplinären Zusammenarbeit mit der AEMP bestens mit den Do`s und Dont`s im Instrumentensieb auskennt.

 

Zu übersehen sollte dabei nämlich niemals der Segen der AEMP sein - und zwar nicht erst bei der Siebzusammenstellung oder - Anpassung, sondern bereits bei der Anschaffung neuer Instrumentarien!

 

Eine multidisziplinäre Herangehensweise gewährleistet, dass alle relevanten Aspekte berücksichtigt werden und die beste Entscheidung für den Patienten getroffen wird! 

Am Ende zählt doch, dass das passende Instrumentarium zum passenden Moment in passender Menge am passenden Ort zum Einsatz kommt - aus welcher Kiste dieses dann durch das OP- Fachpersonal gezogen wird, sollten den Operateur nun wirklich nicht auch noch interessieren müssen, oder?

Überall in den Medien wird aufgeklärt und vermittelt, wie wichtig es ist Einfluss zu nehmen und Nachhaltigkeit zu etablieren. Wir als Familie sind dabei und überzeugt. Wir handeln im Rahmen unserer Möglichkeiten!

 

Der Stoffbeutel in meiner Handtasche gehört zum Standard, der Laden nebenan verkauft nur unverpackt und der Wocheneinkauf für die vierköpfige Familie wird mit E- Bike und Anhänger regional gestemmt. Vom Schrebergarten und biologischem Selbstanbau fang ich gar nicht erst an… 

 

Mein Umdenken zum selbstreflektierten Handeln im Sinne der Umwelt und Zukunft hat seine Zeit gebraucht aber ist mit dem Alter auch bei mir angekommen.

 

Aber wie sieht es im Beruf aus?

 

Erst gestern wieder ist mir im Mandat ein nicht seltener Dialog aus dem Alltag im OP vor die Füsse gefallen:

 

«Ich brauch noch ein Tuch, hier ist etwas unsteril geworden!»

«Klar, hier hast du eins… oh nein: Stopp, da ist das Papier eingerissen, dass kannst du so nicht nehmen. Ich mach dir noch eins auf.» «Mist, schon wieder aber alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Hier hast du dein steriles Tuch!»

 

Mal abgesehen von Instrumenten und einigen wenigen Artikeln – je nach Verpackungsform und auch Artikelbeschaffenheit, prozedurbezogen gehört im OP- Alltag eine Menge an Plastik, Müll und Einwegprodukten einfach dazu. Ich selbst erwische mich nicht selten bei der direkten beruflichen Empfehlung zur Umstellung auf Einwegprodukte. Meist aus betriebswirtschaftlichen Aspekten.

Natürlich versuche ich Aspekte der Anwendung und Benutzerfreundlichkeit in meinen Entscheidungen zu berücksichtigen und hätte auch meist noch ein Mehrwegprodukt alternativ im Kopf. Nur verursachen mir dann mindestens noch die komplexen hygienischen Regelwerke hinsichtlich Reinigung, Desinfektion und Sterilisation ein Kopfzerbrechen.

Die Anforderungen an Medizinprodukte speziell im OP sowie deren mögliche Aufbereitung sind gross. Ebenso ihr Einfluss auf die chirurgischen Eingriffe. Widerstandsfähigkeit, Keimpenetration, mikrobiologische Beschaffenheit, Flüssigkeitsbarrieren, Reiss- und Berstfähigkeiten - nach Einsatzort und -dauer, Textilien und Verwendung kommt da schon eine Vielzahl an Anforderungen hinsichtlich mechanischer Belastung der Materialien zusammen. 

Es existieren Studien welche Schlussfolgerungen gezogen haben, dass die Zusatzkosten für Einwegprodukte überproportional zunehmen, je dynamischer und flüssigkeitsreicher sich ein operativer Eingriff gestaltet. 

Eine weitere Studie stellt gar den Zusammenhang zwischen Einweg- oder Mehrwegprodukten und der Konzentrationsfähigkeit, Reaktionszeit und Fehlerhäufigkeit von Operateuren her und somit auf das Arbeitsergebnis eines chirurgischen Eingriffs.

 

Die Argumentation der Chirurgen zum gewünschten Produkt wird meist noch mit betriebswirtschaftlichen Sichtweisen und Bedürfnissen des Einkaufs torpediert. Jeder Rappen zählt! Günstige Preise hängen nicht selten im Zusammenhang mit verbindlichen Abnahmemengen und damit auch dem notwendigen Lagermöglichkeiten. Wenn dann die nächste Studie einem Produktwechsel empfiehlt, führen Prozessanpassungen zu Lagerhütern und Verfall. Ungenutzte Einwegprodukte, welche ihren direkten Weg in die Verbrennung finden. Müll, welcher vorher erst logistisch aufwendig zur Verfügung gestellt werden musste. 

Günstige Preise fallen teils auch ohne gewisse Absatzmengen nicht einfach vom Baum, sondern bedingen hier und da sparsame Verpackungsvarianten. Doch was habe ich am Ende gewonnen, wenn ich zwar das günstigste Produkt zur Verfügung habe aber nicht zur Anwendung komme, da die sparsame Verpackung ein mehrmalig wiederholtes Öffnen notwendig macht. Wäre dann ein alternatives Produkt mit besserer Bedienung und Anwendungseigenschaften nicht von vornherein die bessere Option gewesen? Oder noch besser – gibt es dazu ein alternatives Mehrwegprodukt?

 

Eine Menge Potential also, um dem gesellschaftlichen Ziel der Kreislaufwirtschaft auch als Gesundheitseinrichtung entgegenzukommen ohne qualitative Einbussen zu verzeichnen. Immerhin 4.4% der globalen Treibhausgasemission durch Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen können der Gesundheitsbranche zugeordnet werden. 

 

Soziale und ökologische Kriterien sollten neben Qualität, Liefertreue und Kosten ihren Einzug in die Betrachtung interner und externer Prozesse finden.  Möglicherweise erweist sich entgegen dem ersten Anschein, die interne Aufbereitung von Mehrwegprodukten in Bezug auf Energie- und Wasserverbrauch gar nicht als so ökologisch wie der Vergleich zur Herstellung vom Einwegprodukt. Die Gesamtleistung des jeweiligen Lieferanten ist von Bedeutung. Es existieren bereits spezialisierte Dienstleister zur Wiedergewinnung von wertvollen Ressourcen oder auch der Energie- Rückgewinnung durch Verbrennung aus Einwegprodukten. Könnte hier bereits durch kleine Prozessanpassungen in der Entsorgung der alternative Schlüssel zum Lieferantenwechsel oder der Neuprodukteinführung liegen? 

 

Mit hybriden Lösungen in der Anwendung von Mehr- und Einwegartikel lassen sich Sicherheit und Wirtschaftlichkeit mit aktivem Umweltschutz kombinieren und damit bis zu 70% der Emissionen beeinflussen. 

Ich gehe davon aus, dass wir im OP überwiegend mit Einwegvarianten weiterarbeiten, werden, aber möglicherweise lohnt sich hier auch der Blick des Einkäufers auf das Lieferantenportfolio und die Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsstatus bei der Entscheidung zu Mehrweg oder Einweg. 

 

Lohnt sich denn dann überhaupt mein privates Engagement noch, wenn in anderen viel grösseren und systemrelevanteren Bereichen der Fokus ganz anders gesetzt wird? Was machen dann meine eingesparten Plastiktüten an der Kasse, Fahrradkilometer und giessen mit Regenwasser noch für einen Unterschied? 

Zeitliche Verschiebungen im OP gehören zum Obligatorium! Das Patientenverhalten, Wartezeiten zu den Abwesenheiten von Mitgliedern des OP- Teams, fehlende oder zu korrigierende Ausrüstung, patientenspezifische Bedürfnisse zur OP- Vor&Nachbereitung tragen dazu bei. Diese Zeitverschiebungen entstehen aber auch durch defekte oder fehlende Instrumentarien. Studien berichten, dass in einem OP- Sieb bis zu 42% des Instrumentariums nicht einsatzbereit sind. Instrumentarium also, welches auszutauschen und/ oder zu reparieren gilt.

Das sind dann also Instrumente, welche für ihren dringenden Einsatz am Patienten unabdingbar sind oder werden könnten. Für deren Besorgung im Sterillager und Austausch am OP- Tisch braucht es durchschnittlich 7 Minuten - bei Erlösen von durchschnittlich 18,63 Euro pro Minute im OP sammelt sich da einiges an potentiellen Verlusten an! Dabei vernachlässigen wir mal geschickt den organisatorischen und finanziellen Aufwand für alle beteiligten Schnittstellen, welche am Reparaturmanagement beteiligt sind.

Im Idealfall lässt sich solch ein Ressourcenausfall in der OP- Vorbereitung identifizieren und ohne Patientengefährdung begleichen ... Im Worst Case muss der Operateur die OP unterbrechen und warten. Die Anästhesie läuft natürlich weiter ...

In beiden Situationen wäre jedoch die Vermeidung solcher Vorkommnisse das "Must have"! Wo also ansetzen? Wie kommen die defekten oder falschen Instrumente in die Siebe?

Liegt es am QM? Liegt es am Personal in der AEMP oder im OP? Liegt es an den erwarteten und erhofft verschobenen hohen Kosten für die Reparatur oder Neubeschaffung? Wo muss der Fokus geschärft werden?

Das Anhängsel vom OP, das Kellerkind des Spitals … kennen sie weitere gebräuchliche Bezeichnungen für die Sterilgutaufbereitung? 

 

Mir vielen noch viel mehr Bezeichnungen ein als vor einigen Jahren kurz vor Weihnachten der Sterilisator aus Altersschwäche den Geist aufgab. Was nun? Wie soll ich so den OP- Betrieb aufrechterhalten? Wer kann und will mir helfen? Wer hat die Kapazitäten und Qualifikationen mir kurzfristig das Sterilgut aufzubereiten?

 

Nach einigen Telefonaten und Ideen später fand sich eine Feiertagslösung … aber wie bitte weiter? Reparatur, neue Infrastruktur beschaffen oder die Chance nutzen abzustossen?

 

«Müssen wir uns jetzt wirklich von anderen abhängig machen?», «Lohnt sich das den am Ende wirklich?», «Das dauert doch dann alles noch viel länger und wir müssen Operationen verschieben…» … altbekannte und wiederkehrende Vorurteile fanden sich schnell im Teamumlauf! 

Da wir keine wirkliche Wahl hatten, galt es nun also erstmal trotzdem erstmal ins kalte Wasser zu springen und zu schwimmen – wo immer uns dieser Strom auch hintreibt, wir müssen schwimmen! Ein Stillstand der Operationsabteilung stand nicht zur Debatte und auch ausser Frage.

 

Diese Schwimmlektion hat dann bei genauerer Betrachtung schnell die relevanten Kostenfaktoren mit grossem regelmässigem Investitionsbedarf für die Inhouse- Sterilisation aufgezeigt. Auch die regelmässigen Betriebskosten oder der Wert und das Potential freiwerdender Flächen rückte in der objektiven Betrachtung mehr und mehr in den Vordergrund. Jedoch… die Skepsis blieb, spaltete und verunsicherte bis zur ersten Wiederkehr von «Messer, Schere, Licht» von «draussen»! Aber mit allen Kräften und erstklassigem zeitintensivem Projektmanagement wurde es im zweiten Schritt zu einer effizienten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Lösung. Vorallem unter den Gesichtspunkten Betrieb, Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit konnte so die bestmögliche hausspezifische und zukunftsfähige Lösung gefunden werden, denn ein Patentrezept gibt es nicht!

 

Wollen sie bis zur letzten Sekunde warten oder die Gelegenheit nutzen? Was halten sie vom Outsourcing – Chance oder Sackgasse?